OUTSPOKEN Mike Hartsfield
28 Min. Lesezeit
OUTSPOKEN entstanden Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger in Huntington Beach, Kalifornien, und verbanden ihre Straight-Edge-Überzeugungen mit einem zunehmend härteren und ausdrucksstärkeren Sound. Von der frühen Dringlichkeit auf "Survival" über "A Light In The Dark" bis zu den ausgefeilteren Arrangements auf "The Current" dokumentieren ihre Aufnahmen, wie die Band ihre eigene musikalische Identität entwickelte. Die erste Auflösung 1994 unterbrach diese Entwicklung und ließ die Möglichkeit eines weiteren Albums offen. Mit der erweiterten Wiederveröffentlichung von "The Current" und einer bevorstehenden Europatour mit IGNITE und CANCER BATS knüpfen OUTSPOKEN nun an ihre Geschichte an und richten den Blick zugleich auf neue Musik. Ich sprach mit Gitarrist und New-Age-Records-Gründer Mike Hartsfield über die Freundschaften, Frustrationen und die DIY-Entschlossenheit, die die Geschichte der Band geprägt haben.
Direkt zu einer Frage (22)

Foto: Kody Piscitello
“Die Stützräder sind abmontiert, die Brotkrumenspur führt uns bis zum Bus. Nichts sollte uns davon abhalten, einzusteigen, die Tour, die Orte und die Menschen zu genießen und eine tolle Zeit zu haben.”
Die ersten Proben von OUTSPOKEN fanden in der Maschinenwerkstatt von Johns Vater statt. Was genau war das ursprüngliche Spotlight Project, und wie wurde daraus OUTSPOKEN?
Mike: John und ich haben uns, glaube ich, 1988 bei einer Show kennengelernt und uns danach in denselben Kreisen bewegt. Mir fiel seine großartige Einstellung auf, mit der er sich von vielen anderen unterschied. Er war ein aufrichtiger Mensch und aus den richtigen Gründen mit ganzem Herzen bei der Musik.
Ich kam als Außenstehender in die Szene von Orange County. Als ich mich dort orientierte, bemerkte ich Gruppen, die strikt unter sich blieben, weil sie sich für die Cooleren hielten oder andere für weniger engagiert. John lieh mir dagegen ohne Zögern seine Gitarre und seinen Verstärker. Er war auf eine Art offen und freundlich, die ich bei anderen nicht erlebt hatte.
Als ich bei AGAINST THE WALL ausstieg, war er der Erste, mit dem ich eine Band gründen wollte. Ich mochte seine Einstellung. Wer wusste schon, was wir machen würden? Ich mochte ihn als Menschen. Ich rief ihn an, und er sagte: „Ich habe schon einen Schlagzeuger.“ Ein Freund von mir spielte Bass, ich konnte Gitarre spielen, also beschlossen wir, etwas auf die Beine zu stellen.
Das Großartige war, dass es das Spotlight Project bereits gab und Dennis und John gemeinsam Songs schrieben. Als wir dazukamen, waren schon fünf oder sechs Songs vorhanden; John hatte das Demo bereits geschrieben. Wenn ich mich nicht täusche, fanden wir ganz Ende 1989 oder Anfang 1990 zusammen und spielten im Februar unsere erste Show. Wir hatten schon Material, konnten also direkt loslegen. Das war ein großartiger Start.
Bei John zu proben war toll, weil wir es jederzeit tun konnten, wenn es nötig war. John brachte sämtliche Songs mit, und wir waren startklar. Danach arbeiteten wir an neueren Sachen, aber dieses ursprüngliche Projekt gab uns den nötigen Schwung.
Du hast John sowohl die Gitarrenparts als auch die Texte für das Demo und „Survival“ zugeschrieben. Welche späteren Songs zeigen deinen eigenen Ansatz beim Songwriting am deutlichsten?
Mike: Mein Songwriting ist eine Mischung aus dem, was ich von John, von Paul von FREEWILL und von Joe von AGAINST THE WALL gelernt habe. Das waren die frühen Grundlagen meines Songwritings und meines Stils. Oft schreibe ich etwas Neues und denke: „Das klingt nach etwas, das ich von einem dieser drei Leute gelernt habe.“
Als ich anfing, für OUTSPOKEN zu schreiben, waren es diese beiden Leute plus Johns frühere Einflüsse. Ich spiele sehr ähnlich wie Joe von AGAINST THE WALL. Von ihm habe ich Gitarre spielen gelernt, als ich vom Bass zur Gitarre wechselte.
John hat „A Light in the Dark“ als eine Platte beschrieben, die die Band live nicht vollständig eingefangen hat. Was hat aus deiner Sicht als Gitarrist gefehlt?
Mike: Die Aufnahme selbst, das Studio, der Tontechniker: Was wir 1992 wussten, war nicht das, was wir später bei den Aufnahmen zu „The Current“ wussten. Wir waren noch Anfänger im Studio. Ich hatte vorher schon ein paar Sachen gemacht, und wir hatten das Demo, die Seven-Inch und die Kassetten-Single aufgenommen.
Dennis und ich haben in unserer Rolle als Labelbetreiber eine schlechte Entscheidung getroffen, als wir Geld sparen wollten. Am Ende haben wir nicht wirklich etwas gespart. Wir nahmen bei jemandem zu Hause auf, der sich ein Studio eingerichtet hatte. Dort waren die Seven-Inches von MEAN SEASON, UNBROKEN und STRIFE sowie einige andere Sachen entstanden. Wir fanden, dass die fertigen Aufnahmen gut genug klangen.
Im Studio klang alles flach: nicht verzerrt genug, nicht druckvoll genug. Auch unsere spielerischen Leistungen hätten besser sein können. Als wir die Rohmischungen bekamen, fragten wir den Tontechniker: „Das klingt ziemlich kraftlos.“ Er sagte, wir würden in ein großes Studio oben auf dem Hügel gehen. Es stellte sich heraus, dass es das Studio des Bassisten von RATT war. Dort haben wir schließlich gemischt.
Wir dachten, wir würden erst das Grundgerüst hören und später würde alles größer und besser klingen. Als wir dort ankamen, drehten sie im Raum einfach richtig laut auf, und dadurch klang es größer. Als wir die Testpressungen bekamen, dachten wir: „Mann, das haben wir echt verbockt.“ Sowohl die Produktion als auch unsere Leistung blieben hinter unseren Erwartungen zurück. Da hat John völlig recht.
Aber es war eine Lernerfahrung, durch die ihr solche Fehler bei späteren Veröffentlichungen vermeiden konntet.
Mike: Ja. Für die Diskografie-Veröffentlichung konnten wir das Material vor ein paar Jahren mit moderner Technik neu mischen. Aber es war immer noch, als würde man einen Scheißhaufen polieren: Er glänzt zwar, bleibt aber ein Scheißhaufen. Daraus haben wir definitiv gelernt.
OUTSPOKEN werden nach wie vor stark mit Straight Edge verbunden. Was hat Straight Edge damals für dich persönlich bedeutet, und was bedeutet es dir heute?
Mike: Das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht, dass es etwas anderes bedeutet. Aber je älter ich werde, desto stärker ist es eine persönliche Entscheidung. Ich habe Straight Edge immer als etwas gesehen, das ich für mich selbst tue.
Wenn du über dich selbst hinausschaust: Profitiert meine Familie davon? Profitieren meine Freunde? Es gibt eine Wirkung, die von dir ausgeht und immer weitere Kreise zieht. Welche Entscheidungen du auch triffst, diese Wirkung kann positiv oder negativ sein. Als ich jünger war, sah ich neben den Vorteilen für mich selbst auch eine Vorbildfunktion darin: Menschen konnten eine Entscheidung treffen, die ihr Leben positiv beeinflusste. Hoffentlich sind sie dabei auch gute Menschen.
Das war damals gut für mich. Mit der Zeit ist es zu etwas geworden, über das ich gar nicht mehr nachdenke. Es ist so sehr ein Teil von mir, dass es keinerlei Anstrengung erfordert. Es ist eine der einfachsten und wichtigsten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.
Ich bin seit 1989 Straight Edge und sehe das ganz ähnlich.
Mike: Ich glaube, wir können beide darüber sprechen, wie man irgendwann gelassen genug wird, um zu akzeptieren, dass andere Menschen kommen und gehen. Als ich jünger war, hat mich das stärker getroffen. Bei manchen Jungs dachte ich, sie würden immer dabei sein. Wir hatten zusammen „True Till Death“, „Loyal to the Grave“ und all diese Songs gesungen. Mit 20 oder 22 denkst du, so sei das Leben eben.
Wenn du älter wirst, siehst du, wie Menschen andere Entscheidungen treffen und sich mit der Zeit verändern. In diesem Alter noch immer Straight Edge zu sein und es persönlich weiterhin als wertvoll zu empfinden, eröffnet eine interessante Perspektive. Mit 20 hast du noch nicht erlebt, wie sehr sich deine Freunde verändern können, wie du es mit über 50 erlebt hast.
Wahrscheinlich bedeutet es mir heute mehr, weil es seinen Wert bewiesen hat. Mit 57 kann ich auf Jahrzehnte als Straight Edger zurückblicken. Ich habe das schon lange nicht mehr ausgerechnet. Aber von meinen Anfängen Mitte bis Ende der Achtziger bis heute ist der Beweis da, dass ich davon profitiert habe.
Auf eurer ersten Westküsten-Tour wart ihr in einem Ford Escort unterwegs und habt teilweise vor sehr kleinem Publikum gespielt. Welche Erinnerungen hast du an diese Tour?
Mike: Das war sehr ehrgeizig. Wer sich an den Ford Escort erinnert: Das ist ein sehr kleiner, sparsamer Viertürer. Wir fuhren aus der Gegend um Orange County beziehungsweise LA nach Arizona und dann hoch nach Portland in Oregon und Seattle in Washington. Das ist eine Menge Fahrerei in einem kleinen Auto: vier Leute, Merch und ziemlich viel Equipment. Nicht alles, denn wir hatten in den jeweiligen Städten organisiert, dass wir uns die Backline leihen konnten.
Wir hatten großartiges Wetter, schreckliches Wetter, ein Auto mit Hinterradantrieb, und wir vier waren darin zusammengepfercht. Das war eine Zeit, in der du jung bist und einfach Abenteuer erleben willst. Rückblickend war das sehr ambitioniert. Die Leute in unserem Umfeld und vor allem unsere Eltern dachten wahrscheinlich: „Ihr seid verrückt. Ihr vier wollt mit diesem Auto nach Seattle fahren, eine Show in einem Keller spielen und danach nach Portland zur nächsten Show?“
Viele würden das für verrückt halten. Ich schaue heute darauf zurück und sage: „Lass uns das noch mal machen.“ Wir geraten oft in Situationen, in denen wir darüber nachdenken, was alles nicht möglich ist: Wir würden in einem kleinen Auto eingequetscht sitzen. Aber du fährst doch hin, um mit deinen Freunden eine Show zu spielen. Hardcore hat mir das klargemacht. Das konnte ich auf Entscheidungen in meinem Leben übertragen, auf verschiedene Jobs, Unternehmen und Ideen. Du machst alles selbst, komplett DIY. Du kannst alles schaffen, was du dir vornimmst. Selbst zweieinhalb Tage fahren, um 30 Minuten zu spielen, und dann wieder umdrehen. Das ist möglich.
Eine bestimmte Tour fällt mir dabei ein. Mit A18 hatten wir vier Shows im Mittleren Westen. Ich arbeitete bei einer Umzugs- und Lagerfirma, und wir sollten den Hausstand einer Person von LA in den Mittleren Westen bringen. Unsere Instrumente wollten wir in den Umzugswagen packen, während die anderen Jungs hinfliegen würden. Ich würde den Wagen fahren, den Hausstand ausladen und dann mit unserem Equipment im Wagen die vier Shows spielen.
Die Person stornierte den Auftrag; sie zog doch nicht um. Aber wir hatten die Shows schon gebucht und bestätigt. Ich lege großen Wert darauf, nicht abzusagen. Für mich ist das ein echter Minuspunkt. Also machten wir es wie 1990: Wir fuhren mit einem Auto in den Mittleren Westen, spielten vier Shows und fuhren nach Hause. Wenn etwas zu scheitern droht, beiße ich mich erst recht fest, um die Sache durchzuziehen.
Um auf das Touren vor über 30 Jahren zurückzukommen: Das war eine unglaubliche Zeit. Erst letzte Woche haben wir bei der Probe über diese Reise gescherzt. Wir haben uns gegenseitig die Gesichter bemalt. Wenn jemand einschlief, legten wir Essen neben ihn, damit es aussah, als wäre er beim Essen eingeschlafen.
Freunde zu haben, mit denen du so lange verbunden bist, und dann darüber nachzudenken, ob es sich gelohnt hat, mit einem winzigen Auto nach Seattle zu fahren: absolut. Ich würde es morgen wieder tun. Vielleicht sogar heute, wenn ich eines auftreiben könnte.
Ich hoffe, dass kein Ford Escort auf euch wartet, wenn ihr nach Europa kommt.
Mike: Wer möchte, kann mal einen Ford Escort von 1988 googeln. Das ist ein interessantes Fahrzeug.
In deiner Schilderung der Auflösung von 1994 spielen Tourangebote, die ihr nicht annehmen konntet, eine wichtige Rolle. Wann war aus deiner Sicht der entscheidende Moment, in dem du wusstest, dass es mit OUTSPOKEN vorbei war?
Mike: Ich glaube, das ging zu einem großen Teil von mir aus. Zwischen 1990 und 1994, also von unserer Gründung bis zur ersten offiziellen Auflösung, wuchs die Szene. SICK OF IT ALL waren in Europa zu einer gewaltigen Größe geworden. Wir sahen, wie sie anderen Bands Möglichkeiten eröffneten. Davor hatte ich schon mitbekommen, dass FOUR WALLS FALLING nach Europa gingen. Bands fuhren rüber.
Wir waren dreimal an der Ostküste gewesen und hatten immer riesigen Spaß. Ich schaute nach Europa und dachte: „Da müssen wir hin.“ Ich erinnere mich an Fotos von VERBAL ASSAULT in verschiedenen europäischen Clubs in den Achtzigern. Das wirkte wie der Mond: so weit weg, so ein Abenteuer. Ich war regelrecht darauf fixiert, zu reisen, zu touren und nach Europa zu kommen. Es schien ein wunderbarer Ort zu sein.
1993 hatten wir „The Current“ aufgenommen. Ich fand, bei uns lief alles auf Hochtouren. Ich sah, wie die Band und die Songs sich entwickelten, und hatte angefangen, weiteres Material zu schreiben. Ich trieb die Band voran, aber John hatte einen Job in San Francisco, während wir anderen in Südkalifornien lebten. Es war schwierig, die Band in Bewegung zu halten und den Schwung nicht zu verlieren. Andere Bands tourten regelmäßig durch die USA; wir machten Wochenenden und spielten lokal, wann immer es ging.
Rückblickend hat uns das wahrscheinlich sogar interessanter gehalten, weil wir nicht ständig spielten und uns lokal nicht abnutzten. Damals machte ich aber Druck: Wir müssen das machen. Wie gesagt, das Leben der Menschen verändert sich. Sie werden erwachsen, schlagen Wurzeln, machen eben die Dinge, die man in seinen Zwanzigern macht.
Ich dachte, ich könnte etwas Neues anfangen oder mich einer bereits geplanten Tour anschließen, um das aus der Musik herauszuholen, was ich brauchte. Nach meiner Erinnerung war ich also ziemlich verantwortlich dafür, dass wir 1994 aufhörten, ob man mir das nun zugutehalten oder vorwerfen will. Wenn wir es nicht richtig anpackten und schon Mühe hatten, dieses begrenzte Pensum zu schaffen, was blieb dann? Noch ein Wochenende an die Ostküste, wieder dasselbe machen oder etwas Neues? Ich sah uns nicht in der Lage, neue Dinge zu tun.
Heute denke ich, ich hätte wahrscheinlich einfach die Klappe halten und mehr Songs schreiben sollen. All die Energie, die ich Ende 1994 und 1995 in andere Sachen gesteckt habe: Stell dir vor, ich hätte mich hingesetzt und zehn weitere Songs geschrieben. Das fasst die Auflösung ganz gut zusammen.
Dazu passend hast du gesagt, ein Album nach „The Current“ hätte etwas ganz Besonderes werden können. Wie weit existierte diese Platte über die bloße Idee hinaus?
Mike: Nicht besonders weit. Bei unserer letzten Show in Orange County 1994 spielten wir einen neuen Song, an den sich einige der Jungs nicht mehr erinnern. Irgendwo haben wir ihn auf Video. Ich weiß die Riffs noch.
Hätten wir ein paar Songs geschrieben, hätten wir wahrscheinlich eine weitere EP gemacht oder ein Album fertiggeschrieben. Aber wir hatten nur diesen einen Song, eine Ansammlung von Riffs, die den Stil von „The Current“ fortsetzten.
John nennt „Spark“ als den letzten Song, den OUTSPOKEN geschrieben haben. Wenn du dir das Gitarrenarrangement heute anhörst: Was verrät es darüber, in welche Richtung sich die Band bewegte, als diese Entwicklung aufhörte?
Mike: Das ist witzig. Als wir vor nicht allzu langer Zeit wieder anfingen zu spielen, musste Travis mir zeigen, wie die Riffs gingen, die ich für diesen Song geschrieben hatte. Ungefähr 95 Prozent wusste ich noch. Er sagte: „Nein, das geht so und so.“
Der Stil spiegelt genau das wider, was ich von meinem Freund Joe übernommen habe, der bei AGAINST THE WALL spielte und die Seven-Inch schrieb. Diese Riffs und der Stil, dem ich nacheiferte, versetzten mich zurück ins Jahr 1989, als ich lernte, wie ich meine Finger für einen Powerchord halten musste.
Es ist schon witzig, wenn so viel Zeit dazwischenliegt: erst Gitarre spielen lernen, dann ein Riff in diesem Stil schreiben und es 20 oder 25 Jahre später neu lernen. Solche Momente habe ich oft. Man fügt Teile unserer Geschichte und das, was wir heute tun, zusammen und erkennt die Verbindungen.
Bei „Spark“ kam noch dazu, dass der Song aus drei Teilen bestand, die nicht so richtig wussten, wohin sie wollten. Jais Bassspiel hielt alles zusammen. Ohne den Bass hört man Stellen mit einem offenen Ton, weil ich nicht wusste, was ich dort spielen sollte. Beim gemeinsamen Ausprobieren in der Probe entwickelte Jai Bassparts und verband damit die verschiedenen Teile.
Warum war „The Current“ die richtige Veröffentlichung, um sie jetzt als eigenständige Platte neu aufzulegen, statt das Material in eine umfassendere Darstellung der Geschichte von OUTSPOKEN einzubetten?
Mike: Das ist leicht zu beantworten. „The Current“ zu schreiben und aufzunehmen war ein echter Befreiungsschlag: Wir konnten etwas Gutes schreiben und aufnehmen. Auf das Demo und die Seven-Inch waren wir immer stolz gewesen. Das Studio und der Tontechniker hatten so viele großartige Sachen gemacht. An diesen Aufnahmen bereue ich nichts. Gar nichts. Das Equipment, das Studio und der Tontechniker lieferten ein großartiges, ungeschöntes Abbild davon, wie wir damals klangen.
„A Light in the Dark“ wurde uns dagegen nicht gerecht, das muss ich wohl so sagen. Wir gingen nicht mit diesem zufriedenen Gefühl nach Hause, die Platte auflegen und unseren Freunden, Familien und den Leuten bei den Shows vorspielen zu wollen. Dieses Gefühl fehlte völlig.
Mit „The Current“ haben wir meiner Meinung nach unser bestes Material geschrieben. Die Jahre des Spielens, die Tourerfahrungen und die Entwicklung der Songs: Unser letztes Material ist für mich unser bestes. Es ist das, was wir heute immer noch am liebsten mögen.
Als wir die Vereinbarung mit Equal Vision trafen, lag es nahe, das zu machen, worauf wir am meisten Lust hatten. Wenn wir wieder Shows spielen wollten, war es sinnvoll, bei unserem zuletzt aufgenommenen Material anzusetzen.
Welches Ausgangsmaterial stand für die Wiederveröffentlichung zur Verfügung? Ist beim Zusammentragen etwas über die ursprünglichen Aufnahmen aufgetaucht, das du vergessen oder falsch in Erinnerung hattest?
Mike: Wahrscheinlich fällt mir beim Reden noch etwas ein, denn an irgendetwas hatten wir uns falsch erinnert. Uns lag ein großer Teil des Ausgangsmaterials vor.
Ich glaube, unser größter Fehler bei „The Current“ war folgender: Das Studio war deutlich teurer als alle, in denen wir zuvor gewesen waren, und zwar aus gutem Grund. Es war wesentlich besser. Wir nahmen auf Zwei-Zoll-Band auf; heute ist natürlich alles digital. Das Studio ließ uns seine Bänder kostenlos benutzen, statt eigene Bandspulen kaufen zu müssen. Der Nachteil war, dass man die ursprünglichen Einzelspuren nicht behielt. Man mischte auf Viertel-Zoll-Band herunter, oder welches Format es damals auch war, vielleicht Halb-Zoll, und ging mit dem fertigen Ergebnis nach Hause. Danach konnte man nicht mehr an die Einzelspuren ran. Man nahm nur das mit, was man aufgenommen und abgemischt hatte.
An dieser Aufnahme würde ich insgesamt nicht viel ändern. Für diese Zeit und diesen Ort haben wir es richtig gemacht. Ich würde heute nicht zu viel daran herumschrauben oder unbedingt einen Remix machen wollen. Mir fällt nichts ein, das wir vergessen hätten. Deshalb würde ich es so lassen.
Wir haben über Social Media nach Bildern, Flyern und allem gefragt, was die Leute noch hatten. Dennis hat das Booklet und das gesamte Layout konzipiert. Das Coverfoto zeigt uns beim Herumspritzen in einem Swimmingpool. Wir nahmen eine Einwegkamera mit und sprangen in den Pool von Popeye von FARSIDE. Einen ganzen Nachmittag lang spritzten wir mit Wasser und machten Fotos.
Damals war es beliebt, in einem Buch ein Bild zu finden, das einem gefiel, und das eigene Logo daraufzusetzen. Das funktionierte oft, fiel aber einigen später auf die Füße. Heute könnte man mit Google Bilder erkennen, wenn jemand fremde Kunstwerke verwendet. Wir wollten, dass diese Sachen wirklich von uns stammen.
Das war eine tolle Erfahrung. Es gibt Poolfotos von Popeye und Isaac von CHORUS OF DISAPPROVAL auf Liegestühlen und Bilder, die sie von Travis und mir machten, wie wir uns gegenseitig in die Luft warfen. Irgendwann möchte ich für unsere Social-Media-Kanäle etwas über den Tag schreiben, an dem diese Fotos entstanden.
Welche Vorgaben habt ihr Brian für das Remaster gegeben? Gab es etwas am ursprünglichen Sound, das er unbedingt erhalten sollte, selbst wenn es als Schwäche gelten könnte?
Mike: Ich glaube nicht. Brian ist ein unglaublich kluger Typ. Wir wussten, dass er mit moderner Technik bestimmte Aspekte unserer vorhandenen Mischung hervorheben würde. Ich hatte keinerlei Bedenken, dass wir etwas zurückbekämen, bei dem wir sagen würden: „Wie konnte er das machen? Was hat er sich dabei gedacht?“ Ich glaube, niemand hatte solche Sorgen. Er hat Erfahrung und weiß meiner Meinung nach genau, was zu tun ist. Es konnte dabei nur etwas Positives herauskommen.
Da war also sehr viel Vertrauen vorhanden.
Mike: Absolut. Wir kennen ihn seit den frühen Neunzigern. Diese Sache mit Menschen neu anzugehen, die wir damals kannten und mochten, war entscheidend. Jede Gelegenheit, Leute einzubeziehen, die mit unserer Geschichte verbunden sind, ist eine tolle Erfahrung.
Ich weiß nicht, ob Beständigkeit das richtige Wort ist, aber vermutlich schon. Diese Zeitkapsel aus den frühen Neunzigern zu haben, zu der wir zurückkehren können, ist großartig. Das ist eine Erfahrung, die man erst mit der Zeit versteht. Wir haben unsere Eltern sagen hören: „Als ich in deinem Alter war“ oder „Zu meiner Zeit“. Das gilt für alle, die Musik machen, Sport treiben oder was auch immer: lange genug dabeizubleiben, um auf Dinge zurückzublicken, sie neu aufzugreifen oder auf eine Weise wertzuschätzen, die einem damals noch nicht möglich war.
Auf der neuen Platte steht „Spark“ nun in der Mitte der Trackliste, während „Spoke“ den Abschluss bildet. Wie kam diese Reihenfolge zustande?
Mike: Gute Frage. Dass alles im selben Studio aufgenommen wurde, war ein riesiger Vorteil. Die Songs gehören wirklich zusammen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, wie wir die Reihenfolge festgelegt haben. Vielleicht ging es einfach darum: „Was hältst du davon? Was funktioniert am besten?“
Es könnte schlicht daran gelegen haben, dass „Spark“ unser letzter eigener Song war und „Spoke“ ein Cover. Vermutlich wollten wir alle eigenen Stücke zusammenhalten und das Cover ans Ende setzen. Ich glaube, darum ging es: Die eigenen Songs sollten zusammen funktionieren.
Es ist schön, sie nun an einem Ort zusammenzuhaben statt auf mehreren Veröffentlichungen. Du betreibst New Age Records. Was machte die Zusammenarbeit mit Equal Vision für diese Wiederveröffentlichung zur richtigen Lösung?
Mike: Das war einfach, weil ich etwas Abstand zum Projekt haben und nicht zu eng damit verbunden sein wollte. Früher brachten Dennis und ich Ideen und Entscheidungen ein, die wir anschließend gemeinsam trafen. Es gefällt mir, nicht mehr Teil dieses Kreises zu sein. Sowohl einzeln als auch gemeinsam wollten wir die Veröffentlichung woanders unterbringen. Equal Vision ist eine größere und bessere Plattform für die Platte.
Ich musste nicht mit mir ringen und sagen: „Das war früher hier, also darf es nirgendwo anders hin.“ Ich wollte die Ideen und die Promotionansätze anderer Menschen in den Vordergrund stellen. Ich wollte dafür nicht verantwortlich sein. Ich kenne Leute, die Labels betreiben und dort ihre eigene Band veröffentlichen, und diese Kontrolle mögen. Ich hatte sie lange genug und wollte etwas anderes ausprobieren.
Es wäre den anderen gegenüber unfair gewesen, darauf zu bestehen, dass die Platte in einem kleineren Rahmen bleibt, statt dorthin zu gehen, wo sie hingehört. Es war toll, nicht jedes Detail selbst kontrollieren zu müssen. Die Aufnahmen waren versorgt, Dennis kümmerte sich ums Layout, und wir gaben das Ganze in Hände, die mehr als fähig waren, das größtmögliche Potenzial herauszuholen.
Alles hat funktioniert. Es war eine großartige Entscheidung, von der wir alle profitiert haben. Die Band kann Dinge unternehmen, ohne dass ich mir Sorgen machen muss, ob die Platten überall ankommen, wo sie gebraucht werden. Wir müssen weiterhin Merch machen und Platten vom Label besorgen, aber die Verantwortung ist deutlich geringer.
Ich weiß nicht, ob es an der vergangenen Zeit oder an der Reife liegt, die damit kommt, aber es ist leichter als früher, als wir uns mit all den Aufgaben völlig aufgerieben haben. Jetzt können wir einfach die Band sein, während diese Dinge erledigt werden. Ich schätze es, etwas Abstand zur Veröffentlichung der Platte zu haben.
Die Angaben dazu, ob „The Current“ ursprünglich 1993 oder 1994 erschien, widersprechen sich. Kannst du aufklären, wann die Songs geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht wurden?
Mike: Absolut. 1993 war das Jahr der Aufnahme und Veröffentlichung. Ich gehe jetzt nach dem, was ich spontan für richtig halte: Wir waren 1993 zweimal an der Ostküste und bekamen die Platten vor einer dieser Reisen. Zum ersten Mal hatten wir sie also im Van dabei und nahmen sie mit auf Tour.
Bis die Platte bei Vertrieben und in den Läden erschien, war es Ende 1993. Dann machten wir 1994 ganz zum Schluss noch „Spark“ und „Spoke“. Aber „The Current“ war definitiv 1993.
Danke für die Klarstellung. Die Gedenkshow für Jon Bunch 2016 hat dazu beigetragen, die Band wieder zusammenzubringen. Warum hatte gerade dieser Abend die Kraft, die alten Konflikte innerhalb der Band zu überwinden?
Mike: Zeit ist hier ein wiederkehrendes Thema. Zeit, Verständnis und der Verlust eines Menschen, der vielen sehr nahestand, waren eine enorme Motivation. Als Jon starb, dachten alle tief und ehrlich nach. Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass man jemanden als selbstverständlich hinnimmt. Aber wenn Menschen erreichbar und um uns herum sind, denkt man gerade in jüngeren Jahren nicht daran, dass das irgendwann enden könnte.
Solche harten Realitäten rütteln dich wach und zeigen dir, dass der Verlust von Menschen wirklich passiert. Es war ziemlich einfach. In unserem Umfeld gibt es gute Leute, die uns ab und zu zur Vernunft bringen. Unser Freund Chris, der die Gedenkshow für Jon Bunch organisiert hat, war für uns als Menschen, als Band und als Freunde immer eine große Stütze. Er hat auf uns geachtet.
Soweit ich mich erinnere, fühlte sich die Anfrage von außen anders an, als wenn ein Bandmitglied etwas anstoßen will, das wir seit Jahren nicht mehr gemacht hatten. Da kann man die Beweggründe hinterfragen. Für mich war es leicht, Ja zu sagen. Wir kannten Jon seit den späten Achtzigern, und er unterstützte diese Musik weiterhin, auch als sich seine Band veränderte. Manche sahen SENSE FIELD nicht als Hardcore oder Punk. Ich sah einen Menschen, der auf die bestmögliche Weise seinen Traum verfolgte und verwirklichte.
Alle mochten Jon. Ich glaube nicht, dass ich jemals ein schlechtes Wort über ihn gehört habe, weder vorher noch nachher. Für uns war das eine einfache Entscheidung.
Etwas, das uns über die Jahre zu schaffen machte, war unsere Kommunikation. Man hat gute Freunde, schreibt aber E-Mails oder Nachrichten, statt miteinander zu sprechen. Dabei können Dinge unterschiedlich aufgefasst werden. Unsere Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, war einer unserer Konflikte. Die Jon-Bunch-Show war eine Gelegenheit, das Ego zurückzustellen und zu reden: „Hat jemand irgendwelche Probleme? Okay, gut, dann machen wir das.“
Die Ostküsten-Shows im Mai wurden als eure ersten dort seit mehr als 20 Jahren angekündigt. Was habt ihr dabei über die Dramaturgie eures Sets gelernt, das ihr nun mit nach Europa nehmen könnt?
Mike: Die Reise an die Ostküste im Mai hat uns wieder auf den aktuellen Stand gebracht. Mir fällt das Wort „Realitätscheck“ ein, auch wenn ich nicht weiß, ob es das am besten trifft. Keiner von uns hatte dort seit langer Zeit Shows gespielt. Es war ein Realitätscheck, bei dem wir unsere Komfortzone verließen. Die Ostküsten-Shows waren immer großartig für uns gewesen.
Ob man uns das nun zugutehalten oder vorwerfen will: In den Neunzigern fuhren wir immer von Kalifornien an die Ostküste. So wie du gerade lachst, fragten uns alle: „Warum fliegt ihr nicht einfach und nehmt einen Mietwagen?“ Würde ich es wieder machen? Natürlich. Ich denke ständig daran zurück, wie wir im Van irgendwo im Nirgendwo waren. Man lernt unglaublich viel über sich selbst, seine Freunde, sein eigenes Leben und das Leben an sich.
Aber zurück zur Frage: Diesmal sind wir geflogen. Das ist eine ganz andere Erfahrung und, das möchte ich hinzufügen, viel schneller. Fliegen geht schneller. Es hat uns auf das vorbereitet, was uns von jetzt an erwartet, solange wir uns entscheiden weiterzumachen. Die Shows waren fantastisch. Ich weiß nicht, ob ich das erwartet hatte. Mir ist bewusst, wie viel Zeit zwischen der aktiven Band von damals und heute liegt, wie alt wir sind und wie alt die Band ist. Man weiß nicht, was einen erwartet.
Mit JUDGE zu spielen bedeutete, dass wir vor Leuten unserer Altersgruppe auftreten würden. Mit FURY zu spielen bedeutete jüngere Leute, eine oder wahrscheinlich sogar mehrere Generationen nach uns, und noch jüngere. Es war eine großartige Mischung aus so vielen Altersgruppen, wie man sie sich bei einer Hardcore-Show in Philly oder Massachusetts vorstellen kann.
Die Brooklyn-Show zwischen Boston und Philly war unglaublich. Es war eine Matinee. Wir kamen in den Club, und auf dem Fernseher lief „The Warriors“. Ich dachte: „Perfekt! Das passiert gerade wirklich!“ Wir trafen Menschen, mit denen wir vorher nur telefoniert oder Nachrichten ausgetauscht hatten.
Es hat uns darauf vorbereitet, in Europa dasselbe zu erleben: jemanden zu sehen, dessen Namen ich kenne, weil er ein T-Shirt bestellt hat, jemanden, den ich auf einer STRIFE-Tour getroffen habe, oder Marc von M.A.D., wer einem eben so begegnet. Solche Dinge finde ich immer noch toll.
Das ist ein Vorteil des Tourens: Freunde zu sehen, die man unter normalen Umständen nicht treffen würde. Ich habe nicht die Mittel, einfach für ein paar Wochen an die Ostküste zu fahren, um alle zu besuchen. Hardcore-Shows und die Hardcore-Community bilden eine echte Gemeinschaft. Wir wachsen darin auf. Für uns ist das eine riesige Gemeinschaft.
OUTSPOKEN, IGNITE und CANCER BATS bringen unterschiedliche musikalische Geschichten in diese Tour ein. Was soll jemand, der hauptsächlich wegen der anderen Bands kommt, bis zum Ende eures Sets an OUTSPOKEN erkannt haben?
Mike: Ich bin froh, dass wir vor ihnen spielen und nicht danach. Mir ist klar, wegen wem die meisten Leute kommen. Der Vorteil des Tourens besteht darin, vor Menschen zu spielen, die einen sonst vielleicht nie sehen würden.
Das europäische Publikum bestand für mich immer aus einer breiteren Mischung unterschiedlicher Menschen und Musikrichtungen. Die Leute, die ich erlebt habe, scheinen sich vor allem für die Musik zu interessieren. Wenn ihnen etwas gefällt, gehen sie zu unterschiedlichen Konzerten. Ich selbst habe mich jahrelang, und teilweise bis heute, an das gehalten, was ich kenne und mag. Ich bin weniger abenteuerlustig, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren.
Auf meinen Touren durch Europa habe ich Menschen gesehen, die nicht dem Klischee eines Hardcore-Kids entsprechen. Das sind Leute, die die Musik mögen oder offen und neugierig auf etwas Neues sind. Sie kommen immer wieder in diesen Club, weil es dort etwas Neues zu entdecken gibt, ein anderes Abenteuer.
Wir dürfen vor ganz unterschiedlichen Menschen spielen, dazu vor Fans von IGNITE und CANCER BATS. Was sollen sie erleben? Ich hoffe, dass wir einen guten Auftritt hinlegen. Hoffentlich so gut, dass wir nicht hinterher denken: „Das war furchtbar, ich habe es vermasselt.“ Ich hoffe, dass solche Gedanken gar nicht erst aufkommen und dass der Auftritt auch als gut wahrgenommen wird.
Ich hoffe, dass wir die Tour bereichern. Die Möglichkeit, die IGNITE uns gegeben haben, ist ideal: rüberfliegen, in den Van steigen und losfahren. Wenn unser Teil vorbei ist, geht es zum Flughafen und nach Hause. Equipment und Schlafplätze sind organisiert. Alles ist erledigt.
Wir müssen nach den Wiederveröffentlichungen nicht bei null anfangen: „Wie kommen wir nach Europa? Suchen wir mal im Internet. Was machen wir? Mit wem fahren wir?“ Wenn wir dieses Angebot nicht annehmen könnten, habe ich das Gefühl, würden wir nie rüberkommen. Die Stützräder sind abmontiert, die Brotkrumenspur führt uns bis zum Bus. Nichts sollte uns davon abhalten, einzusteigen, die Tour, die Orte und die Menschen zu genießen und eine tolle Zeit zu haben.
Ursprünglich sollten wir diesen gesamten Tourabschnitt spielen. Wegen beruflicher Verpflichtungen und anderer Dinge haben wir ihn schließlich mit MEAN SEASON aufgeteilt. Es hätte beinahe gar nicht stattgefunden. Zum Glück schlug Travis vor, den Abschnitt mit MEAN SEASON zu halbieren, falls wir nicht alles schaffen würden.
Das Schlechteste wäre gewesen, IGNITE zu sagen: „Wir schaffen die Hälfte. Könnt ihr eine andere Band finden, die dort übernimmt, wo wir aussteigen?“ Das macht nur Ärger. Keine Band will einen für die halbe Tour mitnehmen und dann jemanden suchen müssen, der zum passenden Treffpunkt kommen kann.
Travis schlug vor, dass MEAN SEASON die andere Hälfte übernehmen könnten. Ich fand das perfekt, weil wir Mitglieder gemeinsam haben. Der Wechsel ist einfach. Wir koordinieren die Leute, und IGNITE müssen sich nicht darum kümmern. So werden wir nach diesem unglaublichen Angebot nicht zu einer zusätzlichen Belastung. Ich glaube, das wird großartig.
„The Current“ hat 2026 seine erste Zwölf-Zoll-Auflage erhalten, und ihr spielt wieder Shows. Siehst du OUTSPOKEN als abgeschlossenes Kapitel, als ein Stück Geschichte oder als den Beginn eines ganz neuen Kapitels?
Mike: Zu 100 Prozent als den Beginn eines neuen Kapitels. Nach all den Jahren mit Problemen, die uns auseinanderhielten, sind wir darüber meiner Meinung nach längst hinweg. Wir sind dankbar, heute an einem Punkt zu sein, an dem wir einen klaren Kopf haben. Wir proben mehr als je zuvor als Band, gerade jetzt vor der Tour.
Unser Zugang zu den Songs ist anders, weil wir sie über Jahre gespielt haben, und die Auszeit hat sie für uns interessant gehalten. Wir entdecken neue Nuancen in Musik, die wir vor so langer Zeit geschrieben haben. John singt bei den Proben, und seine Stimme klingt besser denn je.
Alle haben durchgehend Musik gemacht. Das erinnert mich an die Reunions von INSTED. Niemand war überrascht, dass sie großartig waren, weil alle weitergespielt hatten. Wenn man sie zuletzt 1991 oder wann auch immer ihre letzte Show war gesehen hatte und sie dann bei ihrer Rückkehr erlebte, war es nicht überraschend, wie gut sie waren.
Wir entwickeln uns als Musiker immer noch weiter. Während unserer gemeinsamen Zeit und auch danach sind alle am Spielen interessiert geblieben. Für niemanden ist die Probe eine Last oder eine lästige Pflicht. Es ist toll, in einer Band zu sein, deren Sänger zur Probe kommt und jedes Mal jeden Song singt. Wer selbst in einer Band war, kennt das: Sänger sagen manchmal: „Ich habe es einmal gesungen. Das reicht.“
Heute nehmen es alle ernst, und wir proben mehr denn je. Ich hoffe, wir klingen besser und die Proben zahlen sich aus, damit wir Spaß haben können, statt uns Sorgen zu machen, dass wir Parts vergessen.
Bei der letzten Probe und in unserer Chatgruppe fragten wir: „Wer hat neue Songs? Wer hat Riffs?“ Alle hatten ein paar Sachen. John fragte mich, woran ich gerade herumtüftelte. Ich spielte das Riff aus dem letzten Song, den wir 1994 geschrieben hatten. Er erinnerte sich nicht daran, also zeigte ich ihm, wie die Teile zusammengehörten.
Es gibt auch ein paar Cover, die ich einfach aus Spaß machen würde. Wenn wir für eine Handvoll neuer Songs Studiozeit buchen, wäre es toll, noch ein Cover unterzubringen. Wenn alle ihre Ideen zusammentragen, haben wir meiner Meinung nach wahrscheinlich schon eine EP in Arbeit.
