THE TAKE Scott Roberts, Will Shepherd
10 Min. Lesezeit
THE TAKE (oft auch als THE TAKE NYC bezeichnet) ist eine US-amerikanische Punkrock- und Hardcore-Band aus New York City. Das Trio, das sich aus erfahrenen Musikern von THE SPUDMONSTERS, AGNOSTIC FRONT, BIOHAZARD und MADBALL zusammensetzt, verbindet die Intensität des Hardcore mit eingängigen Punkrock-Melodien sowie einem rauen, melodischen Gesang. Ihr selbstbetiteltes Debüt erschien 2019, gefolgt von der EP „Live for Tonight“ – beide Werke präsentieren einen direkten, energiegeladenen Sound, der tief in der New Yorker Underground-Szene verwurzelt ist. Folge THE TAKE auf Instagram.
Direkt zu einer Frage (14)

“Wir hörten auf, unbedingt eine ganz bestimmte Art von Hardcore-Powertrio sein zu wollen, und machten einfach, was uns gefiel.”
Erzählt uns kurz die Geschichte von THE TAKE. Wer gehört aktuell zur Band, und wie hat das alles angefangen?
Scott: Das war 2016. Ich hatte BIOHAZARD kurz zuvor verlassen, ungefähr an Weihnachten 2015. Will rief mich an und sagte: „Ich habe mit Craig von SICK OF IT ALL darüber gesprochen, ein neues Nebenprojekt zu starten, ein Hardcore-Powertrio. Hättest du Interesse?“ Ich sagte: „Fuck, ja.“ So fing es an.
Ich begann, Musik zu schreiben, und brachte gleich Riffs mit, immer mit dieser Idee im Hinterkopf: ein Hardcore-Powertrio. Weil Will und Craig früher zusammen bei AGNOSTIC FRONT gespielt hatten, schrieb ich schnelles Material in diesem Stil von 1984. Dann sprach ich mit Craig und fragte ihn, was für Musik er machen wollte. Er sagte: „Worauf wir gerade Lust haben.“ Ich dachte: „Genau, machen wir das einfach.“ Die Richtung änderte sich. Ich glaube, das war ungefähr die Zeit, als ich „Elitist“ und einige der anderen Songs schrieb, die in eine andere Richtung gingen. Wir hörten auf, unbedingt eine ganz bestimmte Art von Hardcore-Powertrio sein zu wollen, und machten einfach, was uns gefiel. Wenn es ihnen und mir gefiel, machten wir es.
Craig war eigentlich nie wirklich in der Band. Er sollte der Bassist sein, war aber ständig auf Tour. SICK OF IT ALL waren auf ihrer Tour zum 30. oder 35. Jubiläum, also war er immer unterwegs. Schließlich sagte er: „Ihr solltet es mit jemand anderem versuchen. Ich habe keine Zeit.“ Das war eine Erleichterung, weil wir uns schon gefragt hatten, wie wir das hinbekommen sollten, wenn er die ganze Zeit weg war.
Wir beide probten zusammen. Ich glaube, „King Of The World“ war der erste vollständige Song bei dieser Probe. Ich hatte noch ein paar unfertige Songs, aus denen später andere Stücke wurden. Dann holten wir meinen Freund Carlos als Bassisten dazu. Wir beide hatten den Großteil der Arbeit am Album bereits erledigt, und Carlos stieß dazu, als es fast fertig war.
Wir ließen uns damit Zeit. Mittendrin zog Will nach Florida, wodurch erst einmal alles auf Eis lag, bis wir herausgefunden hatten, wie wir über das Internet zusammenarbeiten konnten. Ich nahm Riffs auf und schickte sie ihm; er nahm dazu elektronische Drums auf und schickte sie zurück. Dann machten wir ein Demo und sangen darüber.
Wir bekamen einen Vertrag bei Demons Run Amok Entertainment in Deutschland und veröffentlichten 2019 das erste Album. Wir tourten mit THE LAST RESORT und spielten beim Rebellion und auf einigen anderen guten Shows. Bis Anfang 2020 hatten wir richtig Fahrt aufgenommen, und dann wissen wir ja alle, was passiert ist. Dadurch lagen wir eine Weile auf Eis.
Wir veröffentlichten immerhin eine Coverversion eines DEVO-Songs auf der Compilation „Oi! This Is Streetpunk!“ von Pirates Press Records. 2021 spielten wir wieder Konzerte, sobald es wirklich möglich war. Wenn man geimpft war und seinen Nachweis hatte, konnte man spielen. Wir wollten einfach nur spielen.
Wir hatten schon vor der Pandemie an dieser EP gearbeitet, sie dann aber längere Zeit nicht fertiggestellt. In dieser Zeit fehlte uns ziemlich die Motivation. Irgendwann haben wir es dann doch hinbekommen. Wir haben viele Konzerte gespielt. Anfang dieses Jahres waren wir ein paar Wochen mit MADBALL unterwegs, und im August kommt eine neue LP von uns heraus. Wir legen wieder los und spielen diesen Sommer einige Shows. Das ist gerade bei uns los.
Außerdem haben wir einen neuen Bassisten.
Eric Klinger ist euer neuer Bassist, und du kennst ihn schon lange. Du hast mit ihm bei SPUDMONSTERS und BLOODCLOT gespielt. Wie kam es dazu, dass er bei THE TAKE Bass spielt?
Scott: Carlos, unser anderer Bassist, kommt aus Kolumbien. Er wohnt in Brooklyn, hat aber keine Green Card und durfte die USA nicht verlassen. Das machte die Sache schwierig. Als wir hierherkamen, sprangen ein paar Leute für ihn ein. Es wurde ziemlich mühsam, weil wir ihnen ständig alle Songs beibringen mussten. Ursprünglich sollte Eric nur hier einspringen. Irgendwann sagte ich dann: „Sei doch einfach unser Bassist.“
Er ist eine tolle Ergänzung. Er passt perfekt zur Band und ist außerdem Produzent.
Scott: Er ist unglaublich talentiert, und ich kenne ihn schon sehr lange. Will und Eric sind meine beiden besten Freunde. Für mich ist das großartig. Es ist so viel besser, als in einer Band mit Verrückten zu spielen, die mich wahnsinnig machen. Es schien einfach Sinn zu ergeben.
Für Eric ist es auch schwierig, in die Staaten zu kommen, aber wir kriegen das hin. Inzwischen ist Carlos tatsächlich schon für Eric eingesprungen, die Rollen sind also vertauscht. Zwischen uns und Carlos gibt es keinen Streit. Er spielt ohnehin noch in ungefähr drei anderen Bands. Für ihn war das keine besonders ernste Angelegenheit; er wollte Spaß haben, mit uns abhängen und feiern. Eric nimmt die Sache ernster und möchte sehen, wohin sie führen kann.
Euer neues Album „Live For Tonight“ erscheint am 11. August. Wie unterscheiden sich das neue Album und die Songs von dem, was ihr bisher gemacht habt?
Will: Für mich ist es eine natürliche Weiterentwicklung des ersten Albums, musikalisch noch etwas ausgefeilter. Ich würde sagen, die Songs haben mehr Biss. Es ist ein bisschen anders, aber auf eine gute Art, eine natürliche Entwicklung. Die Songs sind auch vielfältig.
Scott: An manchen Stellen klingt es mehr nach Hardcore, an anderen mehr nach Rock ’n’ Roll. Für mich ist es eine Fortsetzung dessen, was wir schon gemacht haben. Ein großer Unterschied ist, dass mir mein Gesang inzwischen besser gefällt. Als ich von BIOHAZARD kam und das erste Album machte, dachte ich, ich müsste so hart wie möglich singen. Bei dieser Band habe ich versucht, das etwas zurückzunehmen. Inzwischen habe ich herausgefunden, wo ich mich stimmlich bewegen sollte. Für mich klingt der Gesang jetzt besser.
Will: Auch die Drums sind ein bisschen anders.
Welcher ist euer Lieblingssong auf dem neuen Album? Gab es andere Songs, die es nicht auf die Platte geschafft haben, aber vielleicht anderswo veröffentlicht werden könnten?
Will: Ich würde „Live For Tonight“ sagen. Der Song hat alles: viele gute Parts, einen mitreißenden Refrain zum Mitsingen und einen guten Breakdown in der Mitte. Er hat all die richtigen Zutaten fürs Songwriting.
Scott: Bei mir ist es vielleicht „Comfort Crisis“. Wir haben noch Material, das wir nicht fertiggestellt haben. Wenn ich nicht so faul und so furchtbar alt wäre, würde ich es fertig machen und ein ganzes Album veröffentlichen. Wir haben eine Menge Songs, die fast fertig sind.
Wir spielen mit dem Gedanken, Singles auf Spotify zu veröffentlichen: etwas schreiben und aufnehmen, es herausbringen und die Songs dann auf eine LP packen, sobald wir genug dafür zusammenhaben. Uns wird gesagt, dass das wahrscheinlich inzwischen der richtige Weg ist, weil sich in der Musikindustrie einiges verändert hat.
Gibt es verschiedene Farbvarianten der neuen Veröffentlichung? Wird es diesmal eine spezielle Europa-Ausgabe oder eine Picture Disc geben?
Scott: Bis jetzt nicht, aber es ist auf jeden Fall möglich. Vom ersten Album gibt es inzwischen neue Farben. Wir haben rot marmoriertes und blau marmoriertes Vinyl. Wir haben sie gerade nicht dabei, aber es gibt auch eine Variante in Rot, Schwarz und Grau.
Werdet ihr die im Dunkeln leuchtende Version nach Europa mitbringen?
Scott: Wenn ich sie habe, bringe ich beim nächsten Mal wahrscheinlich ein paar mit. Die gibt es nur in den USA.
Ihr gehört zu den Bands, die viel durch Europa touren. Was macht Europa für euch zu einem so guten Tourziel?
Will: Das Bier ist viel besser. Europa war immer gut zu uns. Wir kommen mit all unseren anderen Bands schon seit 30 Jahren hierher. Es ist großartig, mit einem tollen Publikum.
Scott: Lange Zeit war die Szene hier viel besser als in den Staaten. Inzwischen ist es in den Staaten aber auch ziemlich gut.
Will: Durch Europa zu touren ist in gewisser Weise einfacher, weil die Städte viel näher beieinanderliegen. Man fährt nicht zehn Stunden quer durch Texas, um zu einer Show zu kommen. In derselben Zeit könnte man hier drei oder vier Shows spielen. Touren ist einfacher. Ich liebe es, all die verschiedenen Kulturen kennenzulernen. Im Laufe der Jahre habe ich auch viele Leute getroffen.
Auf dieser Tour spielt ihr auch in Skandinavien. Viele Bands lassen diesen Teil Europas wegen der Kosten aus.
Scott: Es ist teuer und schwer zu erreichen. Da ist die Fähre und all das. Es gibt nur ein paar Städte, in denen man spielen kann, und in Norwegen eigentlich nur eine große Stadt: Oslo. Wir waren in den Neunzigern dort, und die Shows waren richtig groß. Ich würde gern dort spielen. Meine Frau ist Norwegerin, und meine Familie ist in Oslo.
Wenn ihr an die anderen Orte denkt, die ihr auf Tour besucht habt: Gibt es einen, an dem ihr gern mehr Zeit im Urlaub verbringen würdet?
Will: Italien. Ich liebe Italien; es ist eines meiner Lieblingsländer.
Scott: Ich mag England sehr. Ich bin eher ein Typ für kühles Wetter. Es gibt auch viele Länder, in denen ich noch nicht war und in denen ich gern touren würde. Ich würde lieber auf Tour gehen. Ich bin nicht wirklich der Urlaubstyp. Wenn ich eine Weile herumsitze, wird mir langweilig, und ich denke an all die Dinge, die ich machen könnte.
Habt ihr darüber nachgedacht, in Australien zu touren?
Scott: Das wäre cool, aber es ist teuer und schwierig, dorthin zu kommen. Ich war einmal dort, ungefähr im Februar oder März 2012. Es war meine zweite Tour als Sänger von BIOHAZARD. Das war eine riesige Festivaltour mit ungefähr 90 Bands, bei der man jeden Tag flog. Es gab mehrere Flüge: Wenn man vor einer bestimmten Uhrzeit spielte, flog man noch am selben Tag; spielte man später, flog man am nächsten Morgen. Es war verrückt, wie sie das organisiert hatten. Es war eine gute Erfahrung.
Was sind eure Pläne für den Rest des Jahres und für nächstes Jahr?
Scott: Im August veröffentlichen wir eine Platte und spielen ein paar Shows hier drüben. Für den Rest des Jahres stehen auch zu Hause einige Konzerte an. Wir werden versuchen, hier und in Großbritannien noch ein paar weitere Shows zu bekommen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mehr von diesen Songs fertigzustellen und sie auf Spotify zu veröffentlichen. Wir versuchen, weiterzumachen.
Eine letzte Frage an Will: Wie geht es deiner Schulter nach der Verletzung?
Will: Der Schulter geht es bestens. Das ist noch ein anderer Teil der Geschichte. Wir sollten mehrere Touren spielen. Deutschland und Griechenland waren geplant. Die Griechenland-Tour sollte ein paar Monate nach meiner Schulteroperation stattfinden, aber dann kam COVID, und alles wurde dichtgemacht.
Meine Schulter wäre trotzdem noch nicht so weit gewesen. Ich hätte die Shows nicht spielen können. Man sagte mir, die Genesung würde ungefähr zwei Monate dauern, aber es waren eher sechs oder acht Monate, bis ich wieder fit war. Ich hätte überhaupt nicht spielen können, also hatten wir in dieser Hinsicht Glück. Inzwischen ist alles bestens.
Wie geht es deinem Fuß?
Will: Meinem Fuß geht es nicht so gut. Ich habe mir vor Jahren beim Fußballspielen ein paarmal den Zeh gebrochen. Im Laufe der Jahre hat sich eine Arthrose entwickelt. Im Gelenk ist nichts mehr übrig, da reibt Knochen auf Knochen, und das ist wirklich schmerzhaft. Auf meiner letzten Tour tat es ziemlich weh. Vor dieser Tour habe ich eine Kortisonspritze in den Fuß bekommen. Im Moment geht es, aber das hält normalerweise nur ein paar Monate an. Irgendwann brauche ich vielleicht eine Operation zur Rekonstruktion des Gelenks, aber ich werde das so lange wie möglich hinauszögern.
